Story

Hintergründe / Geschichte Geschichte Förderkreis Kultur regional e.V.

Zu Beginn des neuen Zeitalters, an einem Punkt, an dem die Musik- und Unterhaltungsbranche ihre größten (virtuellen) Erfolge feiert und das Publikum auf vielerlei Großveranstaltungen mit Stars und Sternchen bestens versorgt wird, leistet eine kleine, aber beachtliche Szene in der Nähe von Frankfurt/M. erfolgreich Widerstand gegen schnöden Konsum und marktgerechte Fließbandsongs.
1998 wurde der Förderkreis Kultur regional e.V. in Hofheim am Taunus geboren. Sein Ziel ist es, kulturelles Gedankengut zu erschaffen, zu fördern und publik zu machen. Im Zentrum dieser Idee steht deutlich die Musik. Der Förderkreis Kultur regional e.V. veranstaltet jährlich mehrere Konzerte und Diskos. Hierbei bedient sich der dynamische Verein der lokalen Räumlichkeiten und tritt vor allem mit dem Main-Taunus-Gymnasium, der Stadt und dem Jazzkeller Hofheim in Kooperation. Die populärste Veranstaltung ist sicherlich das Sommerschein Festival, das 2009 bereits zum 14. Mal erfolgreich über die Bühne ging. Jedes Jahr im August geben sich nicht nur Lokalhelden die Ehre, sondern auch nationale sowie internationale Bands. Zusätzlich unterstützt der Förderkreis Kultur regional e.V. den Hofheimer Kreis Stadt Sommer jährlich mit einer zweiten Bühne, sowie den Main-Taunus-Kreis mit der Organisierung des MTK-Newcomer Festivals. Hinter dem Verein verbergen sich Idealisten, Förderer und kulturell Interessierte, die meisten von ihnen nicht älter als 28 Jahre, die die zahlreichen Vorfeldveranstaltungen sowie das Sommerschein Festival selbst ehrenamtlich organisieren. Den Gewinn, den die verschiedenen Veranstaltungen einbringen, investiert der Verein zu 100% in das Sommerschein Festival, um seinen Besuchern weiterhin den kostenlosen Eintritt und das freie Zelten zu ermöglichen.
Wie viele gute Ideen, entstand auch die Idee zum Sommerschein am Biertisch in irgendeiner kleinen, dunklen Eckkneipe. Es muß wohl 1994, das Jahr des 25jährigen Jubiläums von Woodstock gewesen sein, als eine Runde von Musikern beschloss, dass die vielen musikalischen Talente im MTK nicht in ihren Probekellern vermodern, sondern eine geeignete Präsentationsmöglichkeit bekommen sollten. Hofheims Musikszene benötige unbedingt ein eigenes Open-Air-Festival, war die einhellige Meinung. Anfang 1996 konnte es losgehen: Mit Hilfe der Kreisjugendförderung des MTK und der Jugendarbeit der Stadt Hofheim stellten die Initiatoren der Chill Sound Kultur GmbH Kontakt zu mehreren Initiativen und Vereinen aus dem MTK her, die alle an ähnlichen Ideen schmiedeten. Der glückliche Umstand, dass man offensichtlich nicht alleine war mit diesem Open-Air-Hirngespinst, brachte die Rockszene Kelkheim e.V., die Rockinitiative Bad Soden, den Jazzkeller Hofheim e.V., das Café Perplex aus Niederhöchstadt und Chill Sound aus Kriftel an einen Tisch. Damit war der erste wichtige Grundstein gelegt: Eine kreisweite Initiative war geboren, die zeigen wollte, dass es neben der offiziell geförderten Kultur im MTK viel Alternatives gibt. Unter dem Motto „gemeinsam schaffen wir es“ waren sich die 15-20 Beteiligten schnell einig, dass noch im Sommer 1996 das erste Sommerschein-Festival stattfinden sollte. Zum Ziel setzte man sich, eine Plattform für die regionale Kulturszene zu schaffen. So waren neben Auftritten von regionalen Bands vor allem Musik-Workshops und Kleinkunsteinlagen von Jongleuren und Akrobaten geplant, um die Besucher zum Mitmachen anzuregen. Anstatt „Hingehen-Konsumieren-Nachhause-gehen“, sollten alle Festival-Besucher – Künstler wie Publikum – gemeinsam eine mehrtägige Party erleben, die als bleibende Erinnerung die Szene zusammenschweißen würde. Kein aufgesetztes Marketingkonzept, sondern ehrliches Teamwork von unterschiedlichsten Menschen, die eins gemeinsam hatten: Sie wollten etwas Eigenes machen. Und dabei Spaß haben! Das ist bis heute so. Besonders Wert gelegt wurde darauf, dass den Bands trotz geringer finanzieller Mittel bestmögliche Voraussetzungen für ihren Auftritt geboten werden konnten. Damit alles reibungslos funktionieren konnte, war natürlich viel mehr nötig als „Regler-Schieben“. So übernahm der Jazzkeller Hofheim mit seiner Mannschaft den kompletten Getränkeverkauf, das Café Perplex kümmerte sich um das Frühstück und die Kaffeeversorgung, die Rockszene Kelkheim organisierte die Musikerbetreuung im Backstage-Bereich und die Rockinitiative Bad Soden ist seit dem ersten Jahr für den Würstchenverkauf zuständig. Außerdem sorgten zahlreiche Freiwillige dafür, dass die Zuschauer die richtigen Parkplätze benutzten, die Zufahrten kontrolliert wurden, das Publikum über das Programm informiert und viele andere Aufgaben erledigt wurden. Nur durch die ca. 50 ehrenamtlichen Helfer, die sich bereit erklärten, für eine gute Idee unentgeltlich zu arbeiten, war es möglich, das Sommerschein Realität werden zu lassen. Dieses Prinzip der ehrenamtlichen Arbeit ist bis heute erhalten geblieben und ermöglicht dem Publikum ein mittlerweile professionelles Programm umsonst und draußen. Endlich war es soweit! Am 20. + 21. Juli 1996 öffnete das Sommerschein-Festival zum ersten Mal seine Pforten und gab die „kulturelle Spielwiese“ frei. „Heiße Mischung aus Musik, Workshops, Sport, Camping und Happening: Der Zeltplatz des Sportparks Heide verwandelte sich zwei Tage lang zum Mini-Woodstock mit 17 Bands aus dem Main-Taunus-Kreis, mit Jongleuren, Künstlern und Kindern.“ schrieb die Frankfurter Rundschau als erste Reaktion. Das Konzept war voll aufgegangen. Mit Bands wie DREADMAXX und den WAXIES war ein Spitzenprogramm zum Nulltarif zustande gekommen und das umfangreiche Rahmenprogramm wurde von jung und alt begeistert aufgenommen. Auch das Höchster Kreisblatt bestätigte die Organisatoren in ihrer Programmauswahl: „Wunderbare Open-Air-Stimmung! 16 Formationen spielten und nicht mal ein halber Flop war dabei. Bescheiden wollte die Initiative zeigen, daß es neben der großen geförderten Kunst auch ungefördert Alternatives gibt. Volltreffer!“ Diese unverwechselbare Atmosphäre ist seitdem das Erfolgsgeheimnis des Sommerscheins und ließ bisher 11 weitere Festivals folgen. Zu Beginn des neuen Zeitalters stehen die Zeichen auch weiterhin gut, die Vorbereitungen für das 13. Jubiläum laufen bereits auf Hochtouren. Man darf gespannt sein… Nachdem das Festival drei Jahre hintereinander von der losen Initiative „Wochenend & Sommerschein“ organisiert wurde, wurde es immer schwieriger für den relativ kleinen Kern um Matthias Knapp und Markus „Max“ Will, alle anfallenden Aufgaben über das ganze Jahr hinweg kontinuierlich zu erledigen. Damit das Sommerschein Festival auch in Zukunft funktionieren konnte, musste ein Verein her. Der „harte Sommerschein-Kern“ konnte sich sodann noch einmal aufraffen und stellte den Vorstand zusammen. Neben den beiden genannten Initiatoren ließen sich Frank Irslinger und Thorsten Timmer in ein offizielles Amt wählen. Roman Christian, Uschi Wetzel und Dirk „Kirk“ Zill vervollständigten das Team und machten sich zum Ziel, ein solides Fundament für das Sommerschein-Festival zu bauen und den Verein für viele Leute attraktiv zu machen: Der Förderkreis Kultur regional e.V. war geboren. Im November 1998 hatte das Team weitgehend sortiert, welche Aufgaben zu erfüllen waren und geklärt, wer die Verantwortung für die einzelnen Bereiche Finanzierung, Programm, Öffentlichkeitsarbeit und Mitgliederbetreuung tragen sollte. Im Main-Taunus-Kreis gibt es weiterhin viele Menschen mit einem großen Interesse, die unabhängige Musik- und Kulturszene in ihrer Region am Leben zu erhalten und ihr ein geeignetes Forum zu bieten. So hat der Förderkreis Kultur regional e.V. es geschafft, 2010 bereits das 15. Festival, das ausschließlich ehrenamtlich organisiert wurde, erfolgreich über die Bühne zu bringen. Seit der Gründung erfreut sich der Verein jedes Jahr neuer Mitglieder und Helfer, die aktiv an der Gestaltung des idealistischen Festivals teilhaben möchten und das Festival so Jahr für Jahr mit neuem Leben erfüllen, innovative Gedanken einbringen und alle anfallenden Aufgaben mit Engagement und Freude erfüllen.